Hei ihr!

Auch wenn es schon eine Weile her ist, würde ich euch doch noch einmal gerne von unserem Fasching hier in Bolivien erzählen.

 

Faschingsleben in Independencia

Der wird hier, vor allem auf dem Land, noch einmal um einiges ausgiebiger gefeiert, als ich es bisher gewohnt war! Carnaval geht eine ganze Woche lang. Lustig machen es vor allem verschiedene Traditionen, wie zum Beispiel die Wasserschlachten. Da Fasching hier im Sommer stattfindet, liegt es nahe, mit Wasser zu spielen. In der Faschingswoche ist es erlaubt jeden immer und überall mit Wasserbomben abzuwerfen. Und zwar wirklich jeder jeden! Wir konnten die Woche nicht mehr aus dem

<3 <3 <3

Zimmer gehen, ohne entweder direkt im Internat von den Kindern nass zu werden, oder danach im Dorf. Unter 5mal am Tag umziehen ging da nichts… Auch wenn es teilweise echt nervig war, immer nass zu sein, war es irgendwie lustig. Vor allem mit den Kindern aus dem Zentrum hatten wir wirklich unseren Spaß. Die Tradition gefällt mir echt! Das würde ich gerne nach Deutschland mitnehmen, wenn es nicht so kalt wäre… (in diesem Sinne: Schöne Grüße aus dem sonnigen Bolivien ins kalte Deutschland😊) Hin und wieder sind die Wasserbomben auch zu großen Eimern, Flaschen, oder Baden im Fluss geworden… Also nass waren wir auf jeden Fall immer!
Was noch dazu gehört, ist der Schaum. Es gab hier an jeder Ecke billig Sprühschaumflaschen zu kaufen. Das macht noch viel mehr Spaß als die Wasserbomben! Erstens wird man nicht nass und der Schaum trocknet bald wieder und zweitens tat es nicht so weh! Die Wasserbomben kamen teilweise oben von Dächern runter… Und ihr könnt mir glauben, das tut echt weh! Ein Mädel hat sogar Nasenbluten bekommen, von einer Wasserbombe, die sie zufällig getroffen hat… Sowas kommt mit dem Schaum nicht zum Glück nicht vor. Vor allem den Kindern hat es riesigen Spaß gemacht hinter den Ecken zu lauern und uns zu überraschen. Als ´chocas´ waren wir natürlich beliebte Opfer.

Unsere ‚kleinen‘ zwar ein bisschen eingeschüchtert bei dem Trubel und fast eingefroren, aber sonst lauter kleine Engel <3

Doch zu Fasching gehören natürlich auch Feiern, Faschingszeuge und Tanzen dazu! Angefangen hat es mit dem Zug der ´colegien´ und Kindergärten. Wir sind als Mickeymäuse verkleidet eingelaufen. Da waren wir die Tage vorher auf jeden Fall gut beschäftigt! Kostüme zu kaufen, stellt sich hier nämlich etwas schwer da… da wurden die zwanzig Röcke, Hosen, Schleifen und Ohren alle selber geklebt, gebastelt und genäht! Und wir waren beschäftigt… Aber so haben alle super süß ausgesehen, mit ihren riesigen Ohren und den Röcken. Schade war, dass man davon wenig gesehen hat, weil hier an Fasching alle mit Luftschlangen und Luftballonketten verkleidet werden. Da bleibt von den Kindern wenig übrig! Gerade, dass die Köpfe noch rausgeschaut haben! Aber es war insgesamt so noch süßer. Vor allem die Schulen haben natürlich Stimmung gemacht. Klitschnass, voll von Schaum und mit lauter Partymusik haben sie am Dorfplatz alles gegeben! Jede

Sind wir nicht zwei schöne Mickey-mäuse? 🙂

Gruppe hat am Dorfplatz sozusagen eine kleine `Show´ aufgeführt. Am Schluss gab es einen Sieger. Wir leider nicht… aber ich fand unsere Kids trotzdem die Besten!

 

 

 

 

 

 

Auf nach Oruro!!!

Weiter ging es am Faschingssamstag in Oruro (Stadt in Bolivien). Dort findet jedes Jahr der zweitgrößte Fasching Lateinamerikas nach Rio in Brasilien statt! Und das war es auf jeden Fall wert. Es war wirklich riesig. Und vor allem sooo voll! Es wurde immer gesagt, dass hier jeder Lateinamerikaner hinfährt, der nicht nach Rio fährt! Und dann könnt ihr euch vorstellen, was da los war… Auch Gruppen kamen von überall her. Der Zug begann in der früh um 7 und hat abends, bzw. morgens um 4 aufgehört! Und es gab keine einzige Pause. Es war wirklich ein durchgängiger Zug von Tanz- und Musikgruppen. Insgesamt echt beeindruckend. Vor allem, wenn man die südamerikanische Tanzfreude kennt. Bilder aus Rio hat bestimmt jeder schon gesehen. Und hier ging es mehr oder weniger genauso zu. Es wurde getanzt ohne Ende. Ich hätte nie gedacht, dass es so viele bolivianische Tänze gibt! Gefühlt jede Gruppe hat wieder etwas Neues gezeigt. Wahnsinn, dass hier vor allem jeder tanzen kann. Und so gut! Jede Gruppe hat die andere nochmal überboten, hat noch mehr Show gemacht, und noch bessere Tänze gezeigt. Es war wirklich eine besser als die andere. Allein die Kostüme waren der Hammer. So bunt, farbenfroh und vor allem nie das Gleiche! Da hatte wirklich jede Gruppe ihre eigene Kreation. Aber das seht ihr ja auf den Bildern😊
Am besten fand ich aber die Musikgruppen! Die gingen richtig ab! Das bin ich so aus Deutschland gar nicht gewöhnt. Jede Instrumentengruppe, die gerade nichts zu tun hatte, hat getanzt, oder einfach nur Bewegungen gemacht. Die Trompeter waren immer zu lustig. Die Bewegungen mit den Instrumenten haben immer ausgesehen wie so alte Zug-hupen. Wir haben so gelacht. Wobei die Percussion fast noch besser war! Die sind rumgesprungen, haben mit ihren Schellen getanzt, und einfach Spaß gehabt. So etwas kennt man aus Deutschland gar nicht. (Wobei das hier vor allem zur Faschingszeit bestimmt so abging, aus Independencia sind wir sowas nämlich nicht gewöhnt)

 

 

Zwar schaumig, aber auf jeden Fall lustig!

Lustig waren hier mal wieder die Schaumschlachten. Auf der Tribüne hat man halt keinen Weg zum Ausweichen… Mit der Nebengruppe haben wir so viel ´Scheiß´ gemacht. Am Schluss waren wir wirklich nur noch weiß und haben nichts mehr gesehen. Aber zum Glück trocknet das ja alles wieder sofort😊
Insgesamt war das Fest eher untypisch für bolivianische Verhältnisse. Es gab Sicherheitsvorkehrungen, Tribünen, Polizei, Eintrittsbänder… Sowas hätte ich nie erwartet! So etwas wie Polizei ist hier sonst eher ein Fremdwort… Aber Oruro ist als Faschingshauptstadt bekannt und das wird das ganze Jahr über vorbereitet. Normalerweise ist die Straße auch keine Straße. Eigentlich verläuft dort eine Eisenbahnschiene. Nur für diese Woche wird hier alles geteert und danach wieder aufgerissen! Das muss man sich erstmal vorstellen. Es war auf jeden Fall ein riesiges Event. Und jeder, der die Möglichkeit hat, dort hinzugehen, sollte das machen!!! Es lohnt sich wirklich.

 

 

Auf dem Weg…

Die ganze Nacht sind wir dann durchgefahren, um Sonntagmittag wieder in Independencia zu sein. Dort begann nämlich am Sonntag der Zug. Klar, zu Oruro war das kein Vergleich, aber es war halt unser Dorf und vor allem haben wir mitgetanzt! Deswegen mussten wir rechtzeitig ankommen!
An pünktliches Ankommen haben wir zwischendurch auch nicht mehr geglaubt… Schon in Oruro begann es super, als unser Busfahrer Probleme hatte, auszuparken… Tja, das Fenster war danach kein Fenster mehr… Aber das hat unseren Busfahrer weniger gejuckt. Er ist einfach weitergefahren. Im Bus drinnen lagen überall Glasscherben und auf die Sitze in der Nähe konnte man sich nicht mehr setzten… Aber klar, nach bolivianischen Verhältnissen ist das kein Problem. Paar Leute haben dann aber die Polizei informiert, als unser Fahrer einfach nicht anhalten wollte. Zu Recht! Nach einer Ewigkeit saßen wir dann aber zum Glück doch in einem guten Bus nach Cochabamba!

Wir waren erstmal beschäftigt…

Von dort ging es in der Früh um 6 weiter nach Independencia. Dieses Mal in einem kleinen Minibus, der angeblich schnell ankommen soll. Wären wir auch, wenn wir nicht schon wieder Pannen hätten… Erstmal mussten wir einen Fluss überqueren, der natürlich zur Regenzeit ziemlich hoch war… Wie es nicht anders zu erwarten war, ist ein anderer Minibus stecken geblieben. Dem musste natürlich geholfen werden. Aber bis der wieder aus dem Schlammloch draußen war, hat das ewig gedauert.
Aber klar, aller guten Dinge sind drei! Es kam noch zu einem Erdrutsch. Das ist hier in der Regenzeit auch keine Seltenheit, da der Weg – aus Schlamm und Erde – fast täglich irgendwo abrutscht. Aber mittlerweile sind die Dörfer hier schon gut dafür ausgerichtet und haben Bagger, die dann helfen. Deswegen kam dann auch relativ bald jemand, der den Weg wieder

zum Glück hat der Bagger hier nicht lange auf sich warten lassen!

freigeschaufelt hat. Da sind wir mal froh, dass wir nicht vor 20 Jahren hier waren. Da war Independencia auch mal 3 Monate abgesperrt, weil aus Cochabamba kein Bagger ankam! Trotz Pannen sind wir dann auf jeden Fall – erstaunlicherweise – pünktlich mittags zum Zug angekommen.

 

 

 

 

 

 

unser Team vom Centro Social

Der Zug hier war echt spaßig. Vor allem, weil von chicha nicht allzu wenig vorhanden war… Im Gegensatz zu dem Zug letzter Woche war der Zug hier nicht von den Schülern, sondern von den `Erwachsenen`. Wir haben mit dem Personal des Zentrums getanzt – in den schönen alten polleras. Also den typischen Outfits vor 20 Jahren. Dabei – natürlich nicht zu vergessen – Luftschlangen und Luftballons. Das hat echt Spaß gemacht. Die Truppe ist auch echt super lieb und alle richtig gut drauf! Und dann kamen natürlich die ganzen anderen Gruppen dazu. Die meisten kamen aus irgendwelchen Dörfern, die irgendwo im Nirgendwo liegen. Und die haben´s teilweise echt drauf! Vor allem die Gruppen mit Charango, Panflöten und ihren Tänzern haben wirklich gezeigt, was sie draufhaben! Klar, auf dem Dorf macht man das auch jeden Tag. Da haben unsere 5 Proben vorher auch nicht mehr viel gebracht… aber wir hatten unseren Spaß!
Nach dem Zug sind wir dann todmüde ins Bett gefallen! Klar, die letzten 2 Nächte haben

wir so gut wie nichts geschlafen. Die 4 Stunden im Bus zähle ich jetzt mal nicht wirklich als Schlaf… zum Glück sind über die Tage die Kinder auch nach Hause gefahren. Das heißt, wir haben wirklich Ruhe hier und können schlafen:)

Ganz liebe Grüsse aus Bolivien!

Ganz liebe Grüsse aus Bolivien!

 

Ich hoffe mal, dass ihr daheim die Faschingswoche ebenso gut überstanden habt, wie ich. Und vor allem hoffe ich, dass es euch allen gut geht… Dank Corona geht hier ja gerade alles drunter und drüber. Genauso wie in Deutschland sind auch hier die Schulen bis April geschlossen. Alles Gute und eine schöne, hoffentlich gesunde freie Zeit!

LG Sophia